Eine KI, die Airchecks und Feedback nicht ersetzt, sondern systematisiert und unterstützt.

Können wir unser Programm besser machen, wenn wir es nicht hören und uns nicht gegenseitig Feedback geben? Nein. Eindeutig nein. Über das Programm sprechen – mit dem Ziel, es jeden Tag besser zu machen – das kann kein Tool ersetzen.

Aber die Firma Radiozeit sagt: Wir können diesen Prozess erleichtern. Mit Radiozeit arbeitet Deutschlandfunk bereits intensiv zusammen – etwa bei der Live-Transkription in der App - der einfache Modus. Radiozeit ist ein vergleichsweise junges Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, Audio in Echtzeit zu transkribieren, zu übersetzen und inhaltlich auszuwerten – zunächst für Monitoring-Zwecke, zunehmend aber auch für strategische Anwendungen im Programm.

Robert Förster von Radiozeit demonstriert hier das Live-Content-Analyse-Tool, das die Firma bei den Radio Days 2026 vorstellt: Eine Art Kartographie des gesamten Radiomarkt, vor allem der eigenen Programme.

Jetzt kommt Radiozeit mit einem neuen Feature um die Ecke – und dieser Beitrag ist ausdrücklich kein PR-Stück für die Firma. Sondern der Versuch, zu verstehen, was passiert, wenn Redaktionen die Möglichkeit bekommen, Inhalte systematisch zu “vermessen”.

In der Demo-Session bei den Radiodays führen Robert Förster, einer der Köpfe hinter Radiozeit, und der Programmstratege und Radio-Berater Tim Torno durch genau diese Entwicklung. Förster zeigt, was technisch inzwischen möglich ist. Torno stellt die entscheidende Frage: Was machen wir eigentlich mit diesen Daten?

Viel Gefühl - nicht ganz so viel System: Wie wir Radio bisher analysieren.

Programmentscheidungen im Radio basieren bis heute auf einer Mischung aus Umfragen, viel Erfahrung, Intuition und klassischen Airchecks. Das funktioniert – aber es ist fragmentiert. Niemand kann ein komplettes Programm permanent hören. Feedback ist punktuell, manchmal auch subjektiv. Die These dieser Session setzt genau hier an: Können wir Programm systematisch auswerten, nicht nur punktuell?

Radiozeit baut dabei auf seine innovative Live-Transkription. Das System hört permanent zu – und macht daraus eine strukturierte, durchsuchbare Datenbasis. Ein paar Beispiele, die in der Demo fast beiläufig wirken, aber enorm sind:

  • In Sekunden nachvollziehen, wann und wo ein bestimmter O-Ton (z.B. von Donald Trump) im Programm lief – auch rückwirkend über Tage hinweg

  • Eine virtuelle Echtzeit-Sendeuhr, die sichtbar macht, wie sich Inhalte im Programm verteilen

  • Ein *Musik-Dashboard, das exakt zeigt, wann welche Musik läuft und in welchem Verhältnis zum Wortanteil

  • Welche Themen kommen vor – und wie oft?

  • Welche Regionen spielen eine Rolle (z.B. Erfurt, Gelsenkirchen, Hannover)?

  • Wer spricht – eher Männer oder Frauen?

  • Sind es Journalist:innen, Expert:innen, Betroffene?

  • Wie ist die politische Verteilung - wie oft kommt die SPD vor, wie oft die CDU, die Grünen, die AfD?

Tim Torno hat der Firma Radiozeit geholfen, die Inhaltsanalyse zu systematisieren. Die Sender, die das System nutzen, haben dadurch die Möglichkeit eigene Kriterien und KPIs für die Analyse zu bestimmen.

Eine Inhaltskartografie des Senders – in Echtzeit.

Der eigentliche Gamechanger liegt aber nicht in der Analyse selbst, sondern in der Möglichkeit, sie zu gewichten. Sender können für die KI-gestützte Programmanalyse natürlich ihre eigenen Kriterien definieren:

  • Wie wichtig ist Regionalität? Wie wichtig sind uns internationale Nachrichten?

  • Wie viel politische Vielfalt soll abgebildet werden?

  • Wie stark soll der internationale Blick sein?

  • Wie viel Vertiefung vs. Oberfläche wollen wir?

Das System misst das Programm dann anhand dieser eigenen Ziele. Sendestrecken werden vergleichbar. Stärken und Schwächen werden sichtbar. Entwicklungen lassen sich über Zeit erkennen. Programmstrategische Analyse in Echtzeit. Tim Torno nennt das einen entscheidenden Moment und sagt: “Früher hatten wir Meinungen. Heute haben wir Fakten.”

Journalistisches Feedback und Airchecks sollen nicht ersetzt, sondern systematisiert werden. Die KI soll dabei helfen.

Auch hier: Nein, die KI ersetzt uns nicht, sie soll uns unterstützen.

Journalisten dürfen Feedback und Airchecks nicht mit KI-Systemen ersetzen. Aber mit der Hilfe von KI können sie diese Instrumente systematisieren. Feedback wird nicht weniger – sondern häufiger und fundierter. “There is an aircheck of every single moment of your radio station.”. Es geht darum, Feedback in einem intensiven Arbeitsalltag wieder stark zu integrieren.

Auch die Vergleichbarkeit im Markt ist gegeben. Denn: Radiosender sind frei empfangbar. Deshalb kann das System nicht nur den eigenen Sender analysieren, sondern auch alle anderen. Der Markt wird also sichtbar, analysierbar und vergleichbar.

Vom Bauchgefühl zur Analyse: Macht das unser Programm besser?

Bei allen Radiodays-Sessions, die sich um KI drehen, wird klar: Menschliches Talent, Intuition, menschliches Gefühl und Erfahrung wird nicht durch KI ersetzt werden - auf absehbare Zeit nicht. Was passiert also mit einer komplett inhaltlich kartographierten Radio-Landschaft? Wird Mut gefördert oder gebremst? Wagen wir noch Experimente und Überraschungsmoment? Die Antwort darauf gibt weder diese Session, noch die Firma noch irgendein Chatbot. Wir haben fundamental neue Tools - die Frage ist, was wir damit machen. Es geht nicht um die Automatisierung des wunderbaren Radios - es geht darum, die Analyse zu vereinfachen, Radio in einer bisher unerreichten Tiefe verstehbar zu machen. Zugespitzt: Das gute Bauchgefühl bekommt ein wenig Konkurrenz.

Radiozeit demonstriert auch die Zusammenarbeit mit Deutschlandradio für die App in einfacher Version

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