Und was machen wir, wenn Radio aus dem Auto verschwindet? 😳

David O’Neil (ARD/WDR) zeigt das Chaos auf den Autoradio-Bildschirmen. Kriegen wir das nicht etwas schöner hin?

Diese Frage steht ziemlich am Anfang der Session am Montagnachmittag – und sie ist keine rhetorische. Die Antwort, die Tobias Nielsen (Senior Vice President Digital, Bauer Media Audio) und Tomas Granryd (Head of Digital Partnerships, Swedish Radio) geben, ist klar: Dann verliert nicht nur das Radio einen seiner wichtigsten DistributionsrĂ€ume. Dann gerĂ€t die gesamte Audio-Industrie ins Wanken. In einem Zeithorizont von fĂŒnf bis zehn Jahren. Genau aus dieser Perspektive ist „Radio Ready“ entstanden. Keine Produktidee, sondern eine strategische Reaktion auf eine sich rasant verĂ€ndernde Umgebung.

Ein unĂŒbersichtlicher, chaotischer Markt: Audio im Auto

Wenn man sich die heutige In-Car-Landschaft anschaut, wird schnell klar, warum der Druck so groß ist. Autos sind lĂ€ngst keine einfachen EmpfangsgerĂ€te mehr. Unterschiedliche OEMs, unterschiedliche Betriebssysteme – Android, proprietĂ€re Systeme, Linux-basierte Lösungen – dazu App Stores, Aggregatoren und verschiedenste IntermediĂ€re. Ein hoch fragmentiertes, teilweise chaotisches Ökosystem. Und mittendrin ein Medium, das darauf angewiesen ist, möglichst einfach gefunden zu werden. Radio! Genau hier setzt die Initiative an: Radio soll im Auto weiterhin leicht auffindbar, einfach nutzbar und visuell prĂ€sent bleiben.

Eine Allianz, die es so selten gibt

Bemerkenswert ist, wie die Branche darauf reagiert hat. In den letzten zwölf bis fĂŒnfzehn Monaten hat sich eine internationale Koalition gebildet. Öffentlich-rechtliche und private Anbieter arbeiten gemeinsam an einem Ziel. Initiiert unter anderem durch die European Broadcasting Union, mit Beteiligung von ARD und RTL, aber lĂ€ngst darĂŒber hinaus. Rund 40 Broadcaster sind inzwischen Teil dieser Initiative – aus Europa, Australien, SĂŒdamerika, SĂŒdafrika und auch mit Beteiligung der US-amerikanischen NAB. Eine Branche, die oft fragmentiert auftritt, organisiert sich hier plötzlich global.

Die zwei Workstreams der Initiative: Beziehung zu Regierungen und Metadaten.

Von Washington bis Madrid, Berlin bis Athen: Wie daraus eine Bewegung wurde

Die Entwicklung lĂ€sst sich ziemlich klar nachzeichnen. Ausgangspunkt war das „Connected Car Playbook“ der EBU. Darauf folgten High-Level-Meetings in Paris und London, bei denen erstmals ernsthaft diskutiert wurde, ob öffentlich-rechtliche und private Anbieter gemeinsame Prinzipien entwickeln können. SpĂ€testens im Juni 2025, auf dem WorldDAB-Kongress, wurde die Zusammenarbeit offiziell gemacht. In Madrid kamen weitere internationale Partner hinzu, unter anderem aus Australien. Seitdem gibt es eine klare Struktur: monatliche Abstimmungen, definierte Workstream. (radioready.info)

Zwei Themen, die alles entscheiden

Im Zentrum der Arbeit stehen zwei Felder - die Workstreams:

  • Government Affairs

  • Metadata

Verantwortet werden diese Bereiche unter anderem von Christian Schalt (RTL) und David O’Neil (WDR/ARD). In ihrer

Das eigentliche Problem: Radio sieht im Auto manchmal ziemlich schlecht aus

Radio ist im Dashboard sehr oft falsch dargestellt, inkonsistent, visuell schwach: Logos stimmen nicht, Sendernamen sind falsch, Interfaces wirken teilweise wie aus einer anderen Zeit. WÀhrend Streamingdienste und Plattformen hochoptimiert auftreten, wirkt Radio oft zufÀllig integriert. Auch daran arbeitet die Initiative.

David O’Neil zeigt genau das Problem anhand von Beispielen aus verschiedenen Fahrzeugen: völlig unterschiedliche Darstellungen, keine konsistente Nutzererfahrung. Das Problem ist also nicht, dass Radio nicht gehört wird. Das Problem ist, dass es im Interface nicht richtig stattfindet: Und, dass die Menschen auch nicht mehr einfach nur einen “Radio-Knopf” finden. Dieses Feeling muss wieder her.

Metadata wird zur strategischen WĂ€hrung

Die Antwort darauf ist kein neues Programm, sondern ein struktureller Ansatz. Metadata wird plötzlich zum zentralen Hebel. Mit dem „Metadata Playbook“ versucht die Initiative, gemeinsame Standards zu etablieren – damit Radio im Auto konsistent dargestellt wird. FĂŒr viele kleinere Anbieter ist das auch eine Art Leitfaden, wie sie ĂŒberhaupt in dieser neuen Umgebung bestehen können. Dabei geht es nicht nur um technische Details, sondern um strategische Fragen:

  • Wie vollstĂ€ndig ist unsere Distribution?

  • Wie prĂ€sent ist unser Angebot visuell?

  • Wie bereiten wir uns auf eine sich stĂ€ndig verĂ€ndernde Auto-Landschaft vor?

Und auch um eine unbequeme Erkenntnis: Aggregatoren sind nicht nur Konkurrenz, sondern mĂŒssen als Partner gedacht werden.

Warum das alles jetzt passiert und was es fĂŒr die Zukunft bedeutet

Ein zentraler Punkt zieht sich durch die gesamte Diskussion: Radio ist im Auto immer noch extrem stark. Auch bei jĂŒngeren Zielgruppen. Gerade deshalb entsteht dieser Druck. Nicht weil Radio verschwindet – sondern weil es noch relevant ist und man verhindern will, dass es aus dem System gedrĂ€ngt wird.

ÖRR und Private Hand in Hand?

Wie ernst das genommen wird, zeigt eine Kampagne, die aus dieser Koalition heraus entstanden ist: 24 Broadcaster aus 15 LĂ€ndern, mit einer Reichweite von rund 180 Millionen Hörerinnen und Hörern, vereint unter der Botschaft: „Make sure your next car has a radio.“ Gedacht ist das als eine Initiative, die mehr als Marketing mache will. Es ist ein Signal – auch an Autohersteller und politische Akteure. Aber auch an das Publikum: Vergesst nicht, wie sehr Ihr das Radio liebt. Das Radio - im Auto. Die Branche ist in dieser Frage geschlossen.

Gemeinsame Prinzipien der Initiative.

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